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Churn über Partner ist strukturell höher als über Direktvertrieb — das ist der Grund

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Remco Dam
5 Min. Lesezeit

Wenn Sie die Churn-Zahlen Ihres Kundenbestands nach Akquisekanal aufschlüsseln, sehen Sie bei den meisten B2B-Softwareunternehmen dasselbe Muster: Kunden, die über einen Partner gewonnen wurden, kündigen häufiger als Kunden, die direkt verkauft wurden. Dieses Gefühl trügt nicht — und es hat nichts mit der Qualität der Partner selbst zu tun.

Es hat damit zu tun, was während und nach der Implementierung geschieht. Oder eigentlich: was nicht geschieht.

Die Implementierungslücke

Beim Direktvertrieb hat der Anbieter die direkte Kontrolle über die Implementierung, das Onboarding und die erste Kundenerfahrung. Beim Partnervertrieb liegt diese Kontrolle beim Partner. Wenn der Partner nicht ausreichend auf Ihr Produkt zertifiziert ist — oder die Implementierung so durchführt, wie er es gewohnt ist, und nicht so, wie Sie es vorgesehen haben — dann zahlt der Endkunde den Preis.

Eine schlechte Implementierung führt zu geringer Adoption. Geringe Adoption führt zu geringen Renewal-Chancen. Und geringe Renewals führen zu Churn. Die Ursache liegt nicht beim Kunden, sondern tiefer in der Kette: im Mangel an Qualitätssicherung im Partnerkanal.

Die Zertifizierungslücke

In den meisten Partnerprogrammen werden Partner nach Umsatz zertifiziert, nicht nach Kompetenz. Ein Partner, der genügend Deals abschließt, steigt im Tiering auf — unabhängig davon, ob seine Berater Ihr Produkt gut genug kennen. Die Folge: Partner, die auf dem Papier 'Gold' oder 'Platinum' sind, in der Praxis aber suboptimale Implementierungen liefern.

Die Lösung beginnt mit kompetenzbasierter Zertifizierung: Partner müssen nachweisen, dass sie Ihr Produkt implementieren können, bevor sie eigenständig tätig werden dürfen. Das erfordert ein strukturiertes Zertifizierungscurriculum — keine einmalige Schulung, sondern ein fortlaufendes Programm mit Assessment.

Was Sie dagegen tun können

Es gibt drei konkrete Schritte, um Partner-Churn zu senken. Erstens: Führen Sie eine Mindest-Zertifizierungsanforderung für Partner ein, die eigenständig implementieren dürfen. Zweitens: Etablieren Sie einen partnerspezifischen Customer-Success-Rhythmus, damit Sie als Anbieter Frühwarnsignale bei schlechter Adoption erkennen. Drittens: Koppeln Sie Ihr Partner-Tiering an Kundenergebnisse, nicht allein an Umsatz.

Keiner dieser Schritte ist technisch komplex. Aber sie erfordern eine bewusste Entscheidung, Qualität über Volumen in Ihrem Partnerkanal zu stellen. Das ist eine unternehmerische Entscheidung — und eine der wertvollsten, die Sie treffen können.